Sagenhaftes aus Mecklenburg
Der Totschlag zwischen Alt-Rehse und Wustrow bei Penzlin
(Von A.C.F. Krohn, Lehrer in Penzlin 1855-1860)
| Eine Stelle auf dem Wege
zwischen Alt Rehse und Wustrow wird gewöhnlich Totschlag genannt. Sie
soll ihren Namen folgendem traurigen Ereignis zu verdanken haben. In der Franzosenzeit kam einmal Abends spät ein bejahrter Mann mit seinem Fuhrwerk in Alt Rehse an, obwohl dasselbe nicht an der Landstraße liegt. Er hatte nur seinen kleinen zwölfjährigen Sohn bei sich und schien absichtlich von der Heerstraße gewichen zu sein. Wie man munkelte, sollte es dem geschlagenen preußischen Heere angehören, ein verkleideter Hauptmann, oder so etwas und einen Teil der Kriegskasse bei sich zu führen. Das erweckte die Habsucht einiger Anwesenden. Noch in der Stille der Nacht ward der schwarze Plan geschmiedet und den andern Morgen in aller Frühe ausgeführt. Als kaum der Morgen graute, brach schon der Fremdling mit seinem Sohne auf. Aber er sollte nicht mehr das nächste Dorf erreichen. Unterwegs überfielen ihn die Mörder, und sie schonten selbst das Kind nicht, obgleich dasselbe auf den Knien um sein junges Leben gebeten haben soll. Der Arm der Gerechtigkeit erreichte die Mörder nicht, aber des Volkes Stimme ächtete sie, bis sie mit ihrem ungerechten Mammon übers Meer zogen. Der Ort selbst aber zeugt noch heute durch seinen Namen von jener Gräueltat. (Aus „Mecklenburg’s Volkssagen“ von Albert Niederhöffer) |
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