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Der Totschlag zwischen Alt-Rehse und Wustrow bei Penzlin
Der spukende Mann auf dem Feldweg zwischen Alt Rehse und Neu Rähse
Die weiße Dame im ehemaligen Herrenhaus zu Alt Rehse
Der Grapenwerder und die Sage von der goldenen Wiege

Sagenhaftes aus Mecklenburg

                           Die weiße Dame im ehemaligen Herrenhause zu Alt Rehse

                                       (Von A. C. F. Krohn bei Penzlin) 

„Als mein gestorbener Mann, Gott hab’ ihn selig, noch lebte und Nachtwächter zu Alt Rehse war, da war es im Herrenhause daselbst nicht richtig. So war es schon seit Menschengedenken gewesen. Es kam nämlich jede Nacht in der Mitternachtsstunde, zwischen Zwölf und Eins aus dem Keller eine weiße Dame, vom Kopf bis zu den Füßen ganz weiß gekleidet.

In der einen Hand hielt sie einen Leuchter, in der andern aber ein Bund Schlüssel. So ging sie still durch das ganze Haus, sagte keinem Menschen etwas, und hatte sie die Runde gemacht, so verschwand sie wieder im Keller. Die Türen, auch die verschlossenen, taten sich ohne das geringste Geräusch von selbst vor ihr auf  und schlossen sich auch eben so wieder. In der ersten Zeit, als mein Mann zu dem Posten als Nachtwächter kam, da graute ihm zu jeder Nacht, wo er wachen sollte. Nach und nach wurde es aber doch zur Gewohnheit und die Erscheinung verlor für ihn alles Schreckliche und Unheimliche.

Einmal erschrak mein Mann doch heftig über diese Geschichte. Er war ein wenig eingenickt und wachte gerade in diesem Augenblick auf, als die Gestalt neben ihm stand. Da fuhren ihm denn in Schrecken die Worte heraus: „Wo karrt Di die Deuwel all werre her*!“ Das bekam ihm aber gar übel. Von Stund an wurde sein Kopf so dick als ein Fass, und er konnte vier Wochen nicht wachen. Als es mein Mann dem Inspektor sagte, woher er den dicken Kopf bekommen, wollte dieser es gar nicht glauben. Er war nämlich erst kurze Zeit in Alt Rehse. Um sich aber von dieser Sache zu überzeugen, blieb er die folgende Nacht mit all den Knechten in der Leutestube auf. Als die Glocke Zwölf geschlagen hatte, kam sie tatsächlich wieder, ging still mitten durch all die Leute hindurch und verschwand zuletzt wieder im Keller.

Nun glaubte es auch der Herr Inspektor. Als er die Geschichte hier und dort erzählte, gab man ihm den Rat, er solle doch der Gestalt nachspüren. Es wäre doch möglich, dass jemand im Keller verscharrt wäre, der keine Ruhe findet. Das tat er dann auch. Als in der nächsten Nacht die weiße Dame in den Keller zurückkehrte, gingen mehrere Beherzte ihr nach und merkten sich die Stelle, wo sie spurlos verschwand.

Am andern Morgen ließ der Inspektor im Keller graben, und da fand man ein ganzes menschliches Gerippe. Vor Jahren soll eine Wirtschafterin zu Alt Rehse die Kellertreppe hinuntergestürzt und so ermordet worden sein. Um die Sache nicht publik werden zu lassen, hat man sie im Keller verscharrt und erzählt, sie sei heimlich davon gegangen. Die Gebeine wurden nun auf den Alt Rehser Kirchhof gebracht und dort eingegraben, und seitdem hat sie sich nicht wieder sehen lassen. Dort ist auch die Seele wohl endlich zur Ruhe gekommen.“

Die Alte Frau, die diese Geschichte erzählte, liegt nun auch schon längst auf dem Alt Rehser Kirchhof. Ihre Kinder, so erzählt man, sind nach Amerika ausgewandert, und es ist möglich, dass die Geschichte in Alt Rehse selbst schon lange in Vergessenheit geraten ist.

* „Wo karrt Dich der Teufel schon wieder her!)  
 

(Verkürzt aus „Mecklenburg’s Volkssagen“ von Albert Niederhöffer)


 

 

 

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