Sagenhaftes aus Mecklenburg
Der Grapenwerder und die Sage von der goldenen Wiege
(Von A. C. F. Krohn zu Penzlin)
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Auf dem Grapenwerder, so erzählt man sich, stand um das Jahr 1147, als die Wenden noch in Mecklenburg wohnten, eine gar mächtige Burg. Auf dieser residierte ein Reichsgraf, dem alles Land rund umher untertan war. Wernicke, so hieß der Graf, hatte Rechte wie ein Fürst und kam einem solchen auch an Macht und Reichtum gleich. So hatte er auch das Recht, Münzen zu schlagen, und wenn er seine Burg verließ, so begleitete ihn stets ein ganzer Hofstaat von Edelleuten, knappen und Dienern.
Wernicke aber war einem noch mächtigeren Fürsten, dem König von Rethra, untertan. Dort in Rethra war auch der Hauptgott der Wenden Radegast, von dem man sich erzählt, er sei von purem Golde und so groß gewesen, wie ein 18 jähriger Jüngling. Hierher nach Rethra kam Wernicke, wenn ihn sein König dahin beschied, oder wenn irgendein Fest des großen Wendengottes gefeiert werden sollte. So erschien Wernicke auch wieder einmal zu Rethra, um mit großem Gefolge das Fest des großen Götzen Radegast zu feiern. Da erscholl plötzlich die Schreckenskunde: „Die Sachsen und ihr mächtiger Herzog Heinrich der Löwe ziehen gerüstet mit großem Heere heran!“ Das war wie ein Donnerschlag. Alles floh so schnell wie möglich, denn man wusste wohl, was man zu erwarten hatte. Auch Wernicke jagte mit den Seinen zur sicheren Burg zurück. Aber auch auf der Burg seiner Väter durfte er sich nicht lange mehr aufhalten – die Deutschen waren im Anzuge und nicht mehr weit entfernt. So suchte er dennoch das Wertvollste von seinen Sachen in Sicherheit zu bringen, um dann mit den Seinen auch in das Dickicht der Wälder zu flüchten. Zu den zahlreichen Kostbarkeiten Wernickes gehörte auch eine goldene Wiege. Diese hatte man ihrer Schwere wegen auf einen Wagen besonders geladen. Nun geschah es aber, dass der Knecht nicht zeitig genug schwenkte, als er von dem Burgplatz herunterjagte und so mit seinem Wagen samt der kostbaren Ladung in das vor der Auffahrt befindliche große blanke Soll geriet. An Rettung war nicht mehr zu denken und so ließ Wernicke die Wiege, wenn auch nur ungern, im Stich, um nur sich und die Seinen zu retten. Bevor er aber davonjagte, steckte er seine Burg in Brand und als die Deutschen die Stätte erreichten, fanden sie nur einen rauchenden Trümmerhaufen vor. Wernicke kehrte nie wieder zurück. Er soll im Kampf gegen den Feind gefallen sein. Seine Burg blieb verwüstet und bewuchs mit Dorn und Strauch. Später machte man das Land urbar und ließ nur rund um den eigentlichen Burgplatz eine Hecke gleich einem großen Kranze stehen.
(Verkürzt
aus „Mecklenburgs Volkssagen“ von Albert Niederhöffer)
„Von einem
Penzliner Bürger, der nun aber schon längst tot ist, behauptet
man, dass er seinen Reichtum einem glücklichen Funde auf dem
Grapenwerder zu verdanken habe. Er soll dort nämlich einen
großen Topf voll so genannter Henkeltaler vom feinsten Silber
gefunden und diesen Schatz für sich behalten; und soll auch der
Jude, der ihm beim Auswechseln der Münzen behülflich gewesen,
hierdurch reich geworden sein.“ |

